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Fischer Gruppe: Mit Stiftung das „Wohl der Gesellschaft wahren“

„Wirtschaftsblatt“ vom 09.05.2015

von Claudia Peintner

Der Skihersteller Fischer Sports gehört seit den 90er-Jahren zwei Privatstiftungen. Es ist ein breiter Spagat zwischen der Unternehmensabsicherung und einem Leben wie im goldenen Käfig.

Der Skihersteller Fischer Sports gehört seit den 90er-Jahren zwei Privatstiftungen. Es ist ein breiter Spagat zwischen der Unternehmensabsicherung und einem Leben wie im goldenen Käfig.

Fischer Sports aus Ried im Innkreis ist das letzte österreichische Skiunternehmen in ­Familienbesitz. Damit dies so bleibt, hat der 85-jährige ehemalige Eigentümer Josef „Pepi“ Fischer vorgesorgt. Seit Mitte der 90er-Jahre gehört das Unternehmen der J. Fischer Privatstiftung (80,7 Prozent) und der Sturmberger-Fischer-Privatstiftung (19,3 Prozent).

„Pepi Fischer hat vier Töchter, keine ist operativ im Unternehmen tätig“, sagt Gerhard Wüest, Aufsichtsrat der Fischer Sports GmbH und der Löffler GmbH ­sowie Stiftungsvorstand der J. Fischer Privatstiftung. Skilegende Pepi Fischer – unter seiner Führung stiegen die Oberösterreicher zum Weltmarktführer im nordischen Skisport und zur Weltmarke im Alpinbereich auf – setzte eine Struktur auf, sodass das Eigentum bei der Fischer-Familie blieb, die Führung aber nicht mehr unbedingt in Familienhand liegen muss. Auch steuerliche Begünstigungen standen dabei im Vordergrund. „Dass es heute zwei Stiftungen gibt, ist historisch gewachsen“, erklärt Wüest, der 2006 als Sanierer ins Unternehmen eintrat.

1959 haben die Geschwister Pepi Fischer und die mittlerweile verstorbene Selma Sturmberger von ihrem Vater die einstige Leiterwagenfirma übernommen. „Der Pepi war der technikaffine Herzblut-Unternehmer, seine Schwester Selma hatte die Finanzen über. Sie waren wie Außen- und Innenminister“, beschreibt es Wüest.

Zum Wohl der Gesellschaft

Stiftungszweck der J. Fischer Privatstiftung ist, „das Wohl der Gesellschaft zu wahren“. Der Stiftungsvorstand hat darüber zu entscheiden, ob die Gewinne ausgeschüttet oder investiert werden. Hier ein gesundes Gleichgewicht zu finden, darin liegt laut Wüest die große Kunst. „Man kann eine Kuh nicht ausmelken, das trifft dann auch die Begünstigten.“

Die Begünstigten sind im Fall der J. Fischer Privatstiftung die Ehefrau, Töchter und Enkerln von Pepi Fischer. Die Ausbildung der Enkerln sei dem Pepi sehr wichtig, weshalb zwei davon auch gerade bei ihrem Studium in England unterstützt werden, sagt der Stiftungsvorstand. Auch eine ­Firmengründung von einem der Begünstigten würde durch die Stiftung gefördert werden.

Goldener Käfig

Obwohl die Gründungszahlen bei Stiftungen in den vergangenen Jahren rückgängig waren, sagt Wüest: „Wir fühlen uns glücklich mit der Struktur.“ Zu berücksichtigen sei freilich: „Die Privatstiftung ist ein steuerlich begünstigtes Instrument. Wenn man das Vermögen herausnehmen will, wäre dies mit einer hohen Besteuerung für die Erben verbunden.“ Es sei ein wenig wie in einem goldenen Käfig, aus dem man schwer rauskomme.

Ein Risiko bei der Stiftung sieht der Fischer-Aufsichtsrat auch darin, dass Interessen der Begünstigten nicht gewahrt werden und es zu Streit mit einem „sehr mächtigen“ Stiftungsvorstand kommen kann. Bei der J. Fischer Privat­stiftung werde daher darauf geschaut, die Strukturen möglichst schlüssig zu machen: Zwei von drei Stiftungsvorständen sitzen auch im Aufsichtsrat und Beirat. Entscheidungen werden so rascher getroffen. Weiters ist eine gute Durchmischung im Team wichtig: Der Stiftungsvorstand setzt sich aus einem Anwalt, einem Unternehmer und einem Finanzer zusammen.

 

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