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Mitarbeiter können feindliche Übernahme verhindern
"Kurier" vom 08.05.2011 - Chronik Oberösterreich/Sonntag, Morgen
Seit mehr als zehn Jahren können sich die Mitarbeiter der voestalpine am Unternehmen beteiligen.
"Die Menschen machen unseren Erfolg aus. Deshalb ist es uns ein großes Anliegen, dass sie auch ihren Anteil an diesem Erfolg bekommen", so Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der voestalpine AG. Seit mehr als zehn Jahren ist das Unternehmen - seinem Slogan entsprechend - "immer einen Schritt voraus". Mitarbeiter können sich nämlich mit einem eigenen Aktienbesitz am Unternehmen beteiligen.
20.500 Mitarbeiter der 49 Gesellschaften des Konzerns in Österreich halten 21,2 Millionen Stück der Aktien, die in einer Stiftung gebündelt verwaltet werden. Die Belegschaft hat somit einen Stimmrechtsanteil von 12,6 Prozent. Daneben hält die Stiftung noch 100.000 Aktien von internationalen Mitarbeitern und 1,5 Millionen private Aktien der Mitarbeiter. Damit kommt die Stiftung auf 13,3 Prozent der Stimmrechte. Somit ist sie der zweitgrößte Aktionär der voestalpine AG und die größte Mitarbeiterbeteiligung in Österreich.
Die Stiftung, der die Mitarbeiter ihr Stimmrecht übertragen, kann mit einem Sitz in der Hauptversammlung sowie mit einem Mandat im Aufsichtsrat mitbestimmen.
Positive Aspekte
Die Kapitalbeteiligung unterstützt einerseits eine nachhaltige Entwicklung des Konzerns. Andererseits erschwert sie erheblich feindliche Übernahmen. Mit dem über 10-prozentigen Stimmrechtsanteil kann sie einen möglichen Ausschluss aus der Aktiengesellschaft, den sogenannten Squeeze-out, verhindern.
Zwischen 2001 und 2010 wurden an die beteiligten Mitarbeiter 47,3 Millionen Euro Dividenden ausgezahlt. Die Beteiligung finanziert sich vornehmlich durch die Anteile der Kollektivvertrags-Erhöhungen. Außerdem werden allfällige Erfolgsprämien als Aktien an die beteiligte Belegschaft zugeteilt.
Anlass für das innovative Projekt war der Beschluss der Bundesregierung im Jahr 2000, die staatlichen Industriebeteiligungen zu privatisieren. Das Management und der Betriebsrat entwickelten als Erste in Österreich die Mitarbeiterbeteiligung, trotz vieler unterschiedlicher Auffassungen über die vollständige Privatisierung des Unternehmens.
"Viele Konzepte wurden erarbeitet, nicht wenige wieder verworfen, umfangreiche Recherche und Entwicklungsarbeit waren notwendig. Der Prozess war eine Herausforderung, die erfolgreich gemeistert wurde", so Max Stelzer, geschäftsführender Leiter der voestalpine-Arbeitnehmer-Privatstiftung und geschäftsführendes Vorstandsmitglied im Stiftungsvorstand.
"Unsere Mitarbeiterbeteiligung ist wirklich ein Musterbeispiel für innerbetriebliche Zusammenarbeit, für die Übertragung des sozialpartnerschaftlichen Prinzips auf die betriebliche Ebene", sagt der Betriebsratvorsitzende des Konzerns, Hans-Karl Schaller.
Bei den Mitarbeitern kommt das Modell sehr gut an. Im Rahmen der Mitarbeiterbefragung aus dem Jahr 2007, die von 5001 Personen ausgefüllt wurde, antworteten 68 Prozent auf die Frage "Wie wichtig ist Ihnen die Mitarbeiterbeteiligung?" auf einer vierstufigen Skala mit "sehr wichtig" 26 Prozent gaben an, dass diese "wichtig" sei.
Für den Vorstandsvorsitzenden Eder stärkt die Mitarbeiterbeteiligung das Unternehmen voestalpine: "Sie ist ein unmittelbarer Ausdruck des Glaubens an die Zukunft. Die Identifikation zum Unternehmen wird verstärkt und das ist unendlich viel wert."
