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Stifter schlichten um und erhöhen ihr Vermögen
"WirtschaftsBlatt" vom 16. November 2011
Die österreichischen Privatstiftungen haben die Krise des Jahres 2008 gut überstanden und gleichzeitig das Vermögen auf rund 70 Milliarden € erhöhen können. Das geht aus der neuesten Umfrage unter den heimischen Privatstiftungen hervor, die zum dritten Mal seit 2001 durchgeführt wurde. An der jüngsten Umfrage, die im Auftrag des Verbands der österreichischen Privatstiftungen (VÖP) durchgeführt wurde, haben 467 Stiftungen teilgenommen. Erhoben wurden die Daten per Ende 2009; sie wurden mit den Daten aus den Jahren 2005 und 2000 verglichen.
<typohead type="4">Umschichtungen.</typohead>
Das Vermögen der befragten 467 Stiftungen ist demnach gegenüber der zweiten Erhebung aus dem Jahr 2005 um 38,2 Prozent gestiegen – von 19,2 Milliarden € auf 26,5 Milliarden €. Hochgerechnet auf die bestehenden 3400 österreichischen Privatstiftungen geht der VÖP davon aus, dass seit dem Jahr 2005 das Stiftungsvermögen von 60 Milliarden € um rund 8,3 bis 16,6 Prozent auf geschätzte 65 bis 70 Milliarden € gestiegen ist.
Die Investitionen in Unternehmensbeteiligungen seien bei den befragten Stiftungen um rund vier Prozentpunkte auf 62,36 Prozent des Vermögens gestiegen. Rückläufig waren vor allem Investments in Aktien (von 5,17 Prozent auf 2,75 Prozent) und Investmentfonds (7,94 auf 5,97 Prozent). Bei Immobilien kam es zu einem Zuwachs um rund 1,4 Prozentpunkte auf 23,5 Prozent.
Die Veranlagung in Kapitalvermögen (Aktien, Anleihen, Investmentfonds und Liquidität) ist aber absolut gestiegen. Als Anteil am Gesamtkapital ergibt sich aber ein Rückgang von rund fünf Prozent. Umschichtungen in Unternehmensbeteiligungen und Immobilien waren die Folge.
"Die Umschichtungen haben sehr viel mit der Krise zu tun", sagt Christoph Kraus, Generalsekretär des Verbands österreichischer Privatstiftungen (VÖP). "Die Stiftungen haben sich noch mehr auf sichere Veranlagungen fokussiert." Ebenso sei die Sicherung der Eigenkapitalquote im Vordergrund gestanden.
<typohead type="4">Verunsicherung und Sättigungseffekt.</typohead>
Die Zahl der Neugründungen von Privatstiftungen ist seit dem Jahr 2010 allerdings rückläufig. Gegenüber dem Jahr 2009 hat sich die Zahl der neu gegründeten Stiftungen halbiert. Das kommt einerseits davon, dass es in Österreich seit Inkrafttreten des Privatstiftungsgesetzes von 1993 bis heute 14 steuerliche Änderungen gegeben hat, was nicht gerade auf Rechtssicherheit schließen lässt. "Die ständige politische Diskussion um Höherbesteuerung hat die Stifter verunsichert", sagt VÖP-Generalsekretär Kraus. Das führe dazu, dass sich potenzielle Stifter nach anderen Ländern umschauen, wo die Rahmenbedingungen günstiger sind als in Österreich.
Andererseits dürfte in der Zwischenzeit auch ein gewisser Sättigungsgrad gerade bei einheimischen Vermögenden eingetreten sein, was ebenso zu weniger Neugründungen geführt habe, sagen Stiftungsexperten. "Es gibt etliche Stifter, die sich überlegen, ob sie ihr Vermögen aus den Stiftungen abziehen", sagt VÖPGeneralsekretär Kraus.
Infolge zweier OGH-Urteile aus dem Jahr 2010 wurden die Regeln verschärft, mit denen die Einflussnahme von Stiftern, Begünstigten sowie die Auswahl der Berater und deren Bestellung zum Stiftungsvorstand restriktiver wurden. Zu dem befürchteten Exodus und Kaufkraftabfluss veranlagter Gelder von der Wiener Börse ist es bis heute nicht gekommen. Aufgrund der im Fachjargon als "Mausefallen-Effekt" bezeichneten Hürde sind Stifter an die Kette gelegt. Beim Abzug des Kapitals infolge einer Auflösung werden sofort 25 Prozent Kapitalertragssteuer fällig, was Stifter bereits bei der Gründung wissen.
