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Stiftungen investieren hauptsächlich in Unternehmen

"Die Presse" vom 09.11.2011

Studie. Fast zwei Drittel der Stiftungsvermögen bestehen aus Unternehmensbeteiligungen, knapp ein Viertel aus Immobilienbesitz. Der Anteil von Aktien, Anleihen und Fonds ist in der Krise dagegen stark geschrumpft.

(Wien/ju) Der weitaus überwiegende Teil des Vermögens österreichischer Privatstiftungen besteht aus Unternehmensbeteiligungen und Immobilien. Das oft gezeichnete Bild vom Stifter Dagobert Duck, der regelmäßig in seinem prall gefüllten Geldspeicher ein Münzbad nimmt, entspricht dagegen nicht der Realität: Liquidität und Wertpapiere machen zusammen nur rund ein Zehntel der Stiftungsvermögen aus. Das sind die Kernaussagen einer vom Verband Österreichischer Privatstiftungen (VÖPS) initiierten Studie.

Untersucht wurden Daten von 467 der rund 3400 österreichischen Privatstiftungen. Hauptzweck der Privatstiftungen ist es demnach, Betriebsvermögen für kommende Generationen abzusichern: Fast zwei Drittel des auf rund 70 Mrd. Euro geschätzten Gesamtvermögens der heimischen Stiftungen besteht aus eingebrachten Unternehmensbeteiligungen. Allein seit der letzten vergleichbaren Erhebung vor fünf Jahren ist der Anteil der Unternehmensbeteiligungen damit um vier Prozentpunkte gestiegen. Deutlich zugenommen (von 22 auf 24 Prozent) hat auch der Anteil der Immobilien, was unter anderem mit der Finanzkrise und der Angst vor stärkerer Inflation zu tun hat: Stiftungen haben in größerem Stil von riskanten Wertpapieren in sicherere Immobilien umgeschichtet.

Aktienanteil fast halbiert

Entsprechen stark zurückgegangen ist der Anteil von Investmentfonds (von acht auf sechs Prozent) und von Aktien (von fünf auf drei Prozent) am Stiftungsvermögen. Anleihen machen nach drei Prozent im Jahr 2005 nur noch zwei Prozent aus. Die Liquidität blieb mit einem Anteil von fünf Prozent praktisch unverändert. Zugenommen haben die Verbindlichkeiten, was an erhöhten Investments in Immobilien und Unternehmensbeteiligungen liegt.

Der Generalsekretär des VÖPS, Kathrein-Bank-Vorstandschef Christoph Kraus, meint, dass ein Teil der Liquidität auch verwendet worden sei, um die im Stiftungsvermögen enthaltenen Unternehmen zu stützen. "Ohne diese Stützungen wäre die Krise schärfer ausgefallen", sagte Kraus im Gespräch mit der "Presse". Es sei kein Zufall, dass die Eigenkapitalausstattung der in Stiftungen eingebrachten Unternehmen im Schnitt doppelt so hoch sei wie die der übrigen Unternehmen.

Gesetzeslage 14 Mal geändert

Die gesetzliche Grundlage für die heimischen Privatstiftungen war 1993 unter dem SPÖ-Finanzminister Ferdinand Lacina geschaffen worden. Unter anderem mit dem Zweck, ausländisches Kapital anzulocken. Das ist zweifellos gelungen: Unter anderem wird eines der größten europäischen Industriekonglomerate, die VW/Porsche-Gruppe, von österreichischen Privatstiftungen gesteuert. Der Gründungsboom, der in den frühen Nullerjahren seinen Höhepunkt erreicht hat, ist unterdessen aber deutlich abgeebbt. Das liegt laut Kraus zum einen an einem "gewissen Sättigungseffekt" (sprich: Wer für eine Stiftung infrage kommt, hat meist schon eine) und zum anderen an einer "gewissen Rechtsunsicherheit": Die gesetzlichen Grundlagen seien in den 18 Jahren seit 1993 nicht weniger als 14 Mal geändert worden. Das schrecke potenzielle Stifter vor allem aus dem Ausland ab. Zum Vergleich: In Liechtenstein habe es im selben Zeitraum nur eine einzige Änderung gegeben.

Politisch sind die Stiftungen im Land aber relativ gut abgesichert: Sechs große Betriebsrats- bzw. Mitarbeiterstiftungen (unter anderem bei Voest, Amag, Hypo Alpe Adria und Wiener Flughafen) sorgen dafür, dass auch die linke Reichshälfte fest im Stiftungsbereich verankert ist.