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Stiftungen krallen sich die sanierten Gründerzeithäuser
"WirtschaftsBlatt" vom 28.07.2010
von Thomas JäkleVERMÖGENSANLAGE: Österreichs Stifter schichten um: Statt nach
Wertpapieren wird nach Immobilien Ausschau gehalten
Eine üppige Rendite winkt den Investoren in Immobilienobjekten
derzeit zwar nicht. Bei den Familienstiftungen in Österreich sowie
bei großen Stiftungen hat aber die Lust an risikoreichen
Investitionen etwa in Wertpapiere seit Beginn der Finanzkrise im
Herbst 2008 spürbar abgenommen.
Umschichten heißt die Devise. "Hauptsächlich Familienstiftungen
halten derzeit Ausschau nach Häusern aus der Gründerzeit", sagt
Alexander Ertler, Chef von Immobilien. net. Top-Objekte mit einer
Rendite von mehr als vier Prozent zu finden, sei aktuell aber nicht
einfach.
Die von Stiftungen bevorzugten Großinvestitionen von weit über zehn
Millionen € seien derzeit mangels Angebot kaum realisierbar.
Ausnahmen waren heuer die Großinvestitionen der Salzburger Kaindl
Privatstiftung für den Kauf des Opernringhofes in Wien für 100
Millionen € sowie des Hotels Shangri La durch die Flick
Privatstiftung, die ebenso rund 100 Millionen € bezahlt hat.
Auf Verkauf setzen
Selbst für kleinere Luxusobjekte in besten Lagen würden
Familienstiftungen derzeit sogar eine Mini-Rendite von nur einem
Prozent in Kauf nehmen, auch wenn die Inflationsrate im Juni in der
Höhe von 2,0 Prozent (EU-27-Durchschnitt: 1,9 Prozent) sogar doppelt
so hoch sei wie der Ertrag.
Das Anlagemotiv ist für Ertler klar: Familienstiftungen wollen ihre
Gelder mittel- bis langfristig investieren. "Ich glaube, die Stifter
und ihre Stiftungsvorstände sind geheilt, sie setzen auf Sicherheit",
glaubt Michael Pisecky, Geschäftsführer von sReal
Immobilienvermittlung.
"Wenn sich eine günstige Möglichkeit ergibt, nach zwei oder drei
Jahren schnell Kassa zu machen, dann wird die Chance auch genutzt und
gleich wieder in neue Zinshäuser reinvestiert", sagt Ertler.
Nachsatz: Falls entsprechende Angebote vorliegen. Dafür würden die
Stifter gleich zwei oder drei kleinerer Zinshäuser im Wert von zwei
bis vier Millionen € im Paket kaufen.
Top-Objekte im Paket
Dazu zählen in erster Linie Immobilienobjekte im Bestzustand und in
Top-Lagen. In Österreich gibt es laut Immobilen. net-Chef Ertler
derzeit mit Ausnahme von Wien nur noch wenige dieser Objekte, die
über eine Nutzfläche von 1500 bis zu 2500 Quadratmeter verfügen.
"In Salzburg, Innsbruck und Graz gibt es so gut wie kein Angebot",
sagt sReal-Chef Pisecky. Der Markt für Top-Objekte in erstklassigen
Lagen sei außerhalb Wiens wie leergefegt.
Wer in Top-Lagen nicht zum Zug kommt, kann durch Ausweichen in
dezentrale Lagen allerdings bessere Renditen erzielen. Bis zum Wiener
Gürtel als Außengrenze liegt die Rendite zwischen drei und vier
Prozent. Nicht zuletzt auch dank steigender Mietzinserträge, die im
Vorjahr um 7,8 Prozent geklettert sind. Außerhalb des Gürtels und in
Randlagen sind laut sReal-Chef Pisecky Renditen von bis zu 5,5
Prozent möglich.
Der Boom bei Zinshäusern wird auch vom Wiener Zinshaus-Marktbericht
2010 von Otto Immobilien bestätigt. Im Krisenjahr 2009 ist das
Transaktionsvolumen gegenüber dem Jahr davor laut Grundbuch um 40
Prozent auf 925 Millionen € gestiegen. 15.500 Objekte zählen in Wien
zu den klassischen Gründerzeithäusern. Pro Jahr soll laut Richard
Buxbaum von Otto Immobilien der Bestand dieser Altobjekte um 200 zurückgehen.
Neue Objekte sollen durch die an der Wiener Börse notierten
Immobilien-Unternehmen auf den Markt kommen. Laut Ertler wollen diese
Unternehmen Immobilien versilbern, um ihre angehäuften Verluste
abzubauen.
Stifter nehmen für Luxusobjekte in Top-Lagen auch weniger Rendite in
Kauf. Sicherheit und Werterhaltung sind wichtiger als große
Renditeversprechen
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GEMEINNÜTZIGKEIT: Hürden machen das Stiften schwer
Langer Atem bis zur Anerkennung des guten Willens und der guten
Absicht
Billa-Gründer Karl Wlaschek wollte noch zu Schilling-Zeiten eine
Summe von gut einer Milliarde Schilling (72,7 Millionen €)
gemeinnützig spenden - heißt es in Erzählungen. Aus der Schatulle
seiner Privatstiftung sollte das Geld als gemeinnützig deklariert für
die bestimmt sein, die es notwendig brauchen.
Dass dies kein Einzelfall war, bestätigt Steuer- und Stiftungsexperte
Günter Cerha im kürzlich erschienenen "Forumsletter" der Wiener
Kathrein Bank. Denn das österreichische Steuerrecht kennt noch immer
derartige Hürden. Wenn ein Stifter nur bestimmten Organisationen
spenden will, dann ergibt die ausschließlich gemeinnützige Stiftung
keinen Sinn, weil eine reine Spendentätigkeit an andere gemeinnützige
Organisationen kein "gemeinnütziger Zweck im Sinne des Steuerrechtes
ist", sagt Cerha. Mit entsprechenden steuerlichen Konsequenzen, wie
sie bei Wlaschek angeblich auch eingetreten wären: Dann geht nämlich
die Kapitalertragsteuerbefreiung verloren. Laut Steuergesetz muss
nämlich der gemeinnützige Zweck "unmittelbar" erfüllt werden.
Der Kunstgriff
Wenn etwa ein Stifter sehr teure medizinische Geräte für ein Spital
anschafft, fällt diese Anschaffung nicht unter die steuerbefreiten
Begünstigungen. Ein Dreh ist dabei notwendig, um steuerliche
Belastungen zu umgehen: Es muss ein Förderungsverein speziell für
dieses Spital gegründet werden, der sich die Forschung auf die Fahnen
heftet, um so die Gemeinnützigkeit - im steuerlichen Sinne -
anerkannt zu bekommen.
Im Fall einer Spende an die Caritas für Erdbebenopfer in Haiti müsste
die Privatstiftung laut Cerha ein eigenes Büro aufmachen. Ein Verein
würde die Tätigkeit mittelbar machen und Steuern verursachen. Die
Auflage der Unmittelbarkeit führe zu "unlösbaren Problemen".
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SOZIALES ENGAGEMENT: "Group of Six" präsentiert Projekt
Sechs prominente heimische Stiftungen formieren sich zur Speerspitze
Tue Gutes und sprich darüber - so könnte man das Engagement von sechs
prominenten österreichischen Privatstiftungen bezeichnen, die neue
Akzente setzen wollen. "Wir wollen Stifter ermuntern, über ihre
gemeinnützige Projekte zu sprechen", sagt Gerald Schweighofer.
Rückendeckung bekommt der Holzindustrielle vom Verband
Österreichischer Privatstiftungen (VÖP), von dem aus die Initiative
der Stifter koordiniert wird.
Sechs renommierte Stiftungen haben sich nun zusammengetan. Die "Group
of Six" will gemeinsame, gemeinnützige und beispielgebende Projekte
durchführen.
Menschen, die von der derzeitigen Krise besonders betroffen sind,
sollen dank Unterstützung der Stiftungen eine neue Chance bekommen.
Mit an Bord sind neben der Schweighofer Privatstiftung die Erste Bank
Stiftung, Martin und Gerda Essl Sozialpreis gemeinnützige
Privatstiftung, Humer Privatstiftung, Katharina Turnauer
Privatstiftung, sowie Unruhe Privatstiftung.
Am Beispiel von Stiftungen in Deutschland und der Schweiz will die
Sechser-Gruppe österreichische Stifter ermuntern, an dem Projekt
aktiv teilzunehmen. Im September soll das Projekt präsentiert werden.
Reiche helfen denen, die bedürftig sind.
